Altes Kaminstück Draußen ziehen weiße Flocken
Durch die Nacht, der Sturm ist laut;
Hier im Stübchen ist es trocken,
Warm und einsam, stillvertraut.
Sinnend sitz ich auf dem Sessel,
An dem knisternden Kamin,
Kochend summt der Wasserkessel
Längst verklungne Melodien.
Und ein Kätzchen sitzt daneben,
Wärmt die Pfötchen an der Glut;
Und die Flammen schweben, weben,
Wundersam wird mir zu Mut.

Heinrich Heine
Anette von Droste-Hülshoff An jenes Waldes Enden, wo still der Weiher liegt und längs den Fichtenwänden sich lind Gemurmel wiegt; wo in der Sonnenhelle, so matt und kalt sie ist, doch immerfort die Welle das Ufer flimmernd küsst. Wenn ich den Mantel dichte nun legen übers Moos, mich lehnen an die Fichte und dann auf meinem Schoß. Gezweig' und Kräuter breiten, so gut ich's finden mag: Wer will mir's übel deuten, spiel ich den Sommertag? Und hat Natur zum Feste nur wenig dargebracht: Die Luft ist stets die beste, die man sich selber macht..

Markt und Straßen (Joseph von Eichendorff) Markt und Straßen stehn verlassen, still erleuchtet jedes Haus, sinnend geh ich durch die Gassen, alles sieht so friedlich aus. An den Fenstern haben Frauen buntes Spielzeug fromm geschmückt tausend Kindlein stehn und schauen, sind so wunderstill beglückt. Und ich wandere aus den Mauern bis hinaus ins freie Feld. Hehres Glänzen, heil'ges Schauern! Wie so weit und still die Welt! Sterne hoch die Kreise schlingen, aus des Schnees Einsamkeit steigt's wie wundersames Singen - O du gnadenreiche Zeit!

Vom Himmel bis in die ... (Theodor Storm) Vom Himmel bis in die tiefsten Klüfte ein milder Stern herniederlacht; vom Tannenwalde steigen Düfte und kerzenhelle wird die Nacht. Mir ist das Herz so froh erschrocken, das ist die liebe Weihnachtszeit! Ich höre fernher Kirchenglocken, in märchenstiller Herrlichkeit. Ein frommer Zauber hält mich nieder, anbetend, staunend muß ich stehn, es sinkt auf meine Augenlider, ich fühl's, ein Wunder ist geschehn.

Winternacht Winternacht (Joseph Freiherr von Eichendorff) Verschneit liegt rings die ganze Welt, ich hab' nichts, was mich freuet, verlassen steht der Baum im Feld, hat längst sein Laub verstreuet. Der Wind nur geht bei stiller Nacht und rüttelt an dem Baume, da rührt er seinen Wipfel sacht und redet wie im Traume. Er träumt von künft'ger Frühlingszeit, von Grün und Quellenrauschen, wo er im neuen Blütenkleid zu Gottes Lob wird rauschen
Gefunden und ausgewählt von unserem
PC-Freund und langjährigen Sprecher Ulrich Schorsek